Geschichte von Blumen Stoop

 

Ich möchte hier die Geschichte von Blumen Stoop, insbesondere von meinem inzwischen verstorbenen Mann Ötti erzählen, dem Gründer von Blumen Stoop.

 

Otto Stoop wurde am 25.März 1931 als zweitältestes von sechs Kindern geboren als Sohn von Otto Stoop und Anna Meile. Er genoss eine unbeschwerte und schöne Jugend im Rahmen seiner Familie. Er besuchte für sechs Jahre die Primarschule, darauf folgten ein Jahr Oberstufe und 2 Jahre Sekundarschule.

 

Ötti liebte die Pferde und erst träumte er mal davon, Jockey zu werden. Dies konnte er nicht verwirklichen, denn sein Vater meinte, er müsse einen richtigen Beruf erlernen.

 

1946 trat er die Lehre als Gärtner an, in der Gärtnerei Gallati in Kaltbrunn. Als Flumser eng verbunden mit seiner Heimat wurde er oft vom Heimweh geplagt. Umso glücklicher war er, dass er nach Abschluss seiner Lehre eine Arbeit im Nachbardorf Mels in der Gärtnerei Aristo Bernold fand. Dort lernte er im Speziellen das „Kranznen“ – also die Technik, Trauerkränze zu binden. Später arbeitete er noch in Flums in der Gärtnerei Häberle. Bevor er sich selbständig machte, war er noch einige Jahre in Mörschwil an der Blumenbörse angestellt.

 

1963, im Alter von 32Jahren, erfüllte sich Ötti seinen Wunsch vom eigenen Geschäft, welches er in Gossau SG eröffnete. Davor absolvierte er noch die Autoprüfung und kaufte sich sein erstes Auto,ein Citroên, ungefähr des Jahrgangs 1960. So war er stets mobil und konnte am Wochenende nach Flums in seine Heimat fahren. Dort verbrachte er die Freizeit im Sommer mit Wandern und im Winter mit Skifahren. Fürsorglich unterstützt von seinen Angestellten führte er das Geschäft in Gossau 18 Jahre lang. Otto war ein talentierter Blumenbinder und ungezählt bleiben seine vielen Kränze sowie seine originellen Arrangements für Hochzeiten und andere speziellen Anlässe.

 

1973 bot sich in Flums in der Ritterburg eine Lokalität an, um eine Zweigstelle zu gründen. Im Hinblick auf später, wenn er älter würde, da wollte er schon zurück in seine Heimat. Er hatte dieses Vorhaben mit Mutter besprochen und sie meinte dazu, in Flums hätten die Leute kein Geld für den Luxus Blumen. Entgegen ihrer Meinung eröffnete er doch ein Blumengeschäft in Flums. Während der Woche kümmerten sich Angestellte um das Geschäft und am Samstag kam er jeweils von Gossau nach Flums um gewisse Arbeiten zu erledigen. So führte er zwischen 1973 und 1981 zwei Geschäfte, was sich als sehr arbeitsintensiv herausstellte.

 

Früh entwickelte Ötti eine Vorliebe für das Schnitzen. Vielleicht nicht ganz zufällig, denn schon als Kind beobachtete er seinen Grossvater Justus Stoop beim Schnitzen. Justus Stoop war ein leidenschaftlicher Schnitzer und wurde nun sein Vorbild. Das wohl eindrücklichste Erlebnis seiner Kindheit war der Besuch der Landesausstellung in Zürich im Jahr 1939, die er mit seinem Grossvater Justus Stoop besuchte. Bald schon wollte er es selber versuchen und erlangte im Verlauf der Jahre grosses Geschick im Fertigen von Holzmasken. Einige wenige gab er zum Verkauf frei, von den meisten wollte er sich aber nicht trennen. Die meisten befinden sich nun in Kanada.

 

1977 lernte ich den Ötti an einer Fasnacht in Walenstadt kennen. Jedes Wochenende, wenn er zu Besuch kam, brachte er einen anderen Blumenstrauss mit. Ich war jeweils beeindruckt von seinem Ideenreichtum.Vier Jahre später, 1981 heirateten wir in der Jakobskapelle in Flums. Gleichzeitig hatte er das Geschäft in Gossau aufgelöst und wir wurden in Flums sesshaft. In Gossau hatte er den Namen „Blumen Stoop“ an die Firma Corazza, Baugeschäft verkauft. Eine ehemalige Angestellte, die auch einmal die einige Jahre bei ihm arbeitete, führte das Geschäft weiter. Ötti lieferte ab und zu seine Eigenkreationen, die „Chellengarnituren“. Da hatte er ausgedientes Küchenbesteck oder Werkzeug wie er es nannte, auf ein von ihm selbst zurecht gesägten Brettli montiert. Diese wurden dann noch mit dauerhaft haltbaren Früchten oder Beeren ausgeschmückt. Im Jahr 1997 übernahm diese ehemalige Angestellte, Frau Egger, das Geschäft und benannte es Blumen Egger. Während den 18 Jahren in Gossau bildete er viele seiner Angestellten aus.

 

1983 kam unsere einzige Tochter Marina auf die Welt. Auf sie war er besonders stolz - auch deshalb, weil er doch schon 52 Jahre zählte, als sie geboren wurde.

 

15 Jahre führten wir erfolgreich das Geschäft „Blumen Stoop“ in Flums. 1988 hatten wir mal einen Grossauftrag , als Hannes Kurath vom Hotel Tannenboden tödlich verunglückte. Das war eine sehr traurige Nachricht. Wir hatten von Dienstag bis Samstagmorgen Zeit, um 21 Kränze herzustellen mit samt eigens bedruckten Bändern. Diese drucke ich auch heute noch selber. 1996 war Ötti 65 Jahre und wir gaben den Blumenladen auf. Wir zogen uns zurück ins Haus wo wir wohnten und richteten dort eine Werkstatt ein. So konnte Ötti weiterhin auf Wunsch von Kunden Kränze, Sträusse und Blumenschalen anfertigen. Auch pflegten wir weiterhin die uns anvertrauten Gräber und daneben führten wir immer einen Verkaufsstand. Ab 1994 boten wir unsere Ware auch am Weihnachtsmarkt in Mels an. Ab 1996 kam der Weihnachtsmarkt in Sargans hinzu wo ich bis heute gerne mitmache. Bloss den Weihnachtsmarkt 2015 musste ich auslassen aufgrund meines Umzuges nach Kanada.

 

In seinen ersten Pensionsjahren hatte nun Ötti zwischendurch auch mal Zeit, um die vielen schönen Gegenden mit seinem Töff im Sankt Galler Oberland abzufahren. Oft hielt er sich in den Flumserbergen auf und abends brachte er oft Natursträusse nach Hause. Auch sammelte er oft Pilze.

 

Leider währte das neu gefundene Glück jedoch nicht lange. Im Jahr 2001, kurz vor seinem 70.Geburtstag erlitt Ötti einen Schlaganfall. Dank seinem starken Willen gelang es ihm jedoch, selbständig zu bleiben. Als Gärtner mit Leib und Seele liess er es sich nicht nehmen, bald schon wieder Kränze zu binden. 2004, drei Jahre später erlangte er neue Mobilität durch ein Elektromobil, mit dem er seine täglichen Ausflüge in der näheren Umgebung unternahm. 2008, kurz nach seinem 77.Geburtstag verschlechterte sich sein Zustand plötzlich und er musste notfallmässig ins Spital wo dann ein bösartiger Lungentumor festgestellt wurde. Um eine gezielte Chemotherapie durchzuführen wurde er nach St.Gallen verlegt, wo er dann am 21.April 2008 nach drei Wochen Leidenszeit verstarb.

 

Ich überlegte mir dann drei Monate, wie ich das weiterführen würde. Ich kam zum Schluss, ich werde weiterhin Trauerkränze anbieten und auch die Grabbepflanzungen weiter führen.

 

Bis zum heutigen Zeitpunkt ist das so geblieben, auf Wunsch mache ich Trauerkränze und betreue weiterhin die mir anvertrauten Gräber.

 

Ich selber habe den Beruf als Sarner Schwester erlernt. Durch die Heirat mit Ötti bin ich in das Metier der Blumenbinderei hereingerutscht und diese Arbeit begeistert mich bis heute. Auf dem Friedhof lässt sich alles verbinden: Die Kunst, das Gärtnern und die Menschen unter einem und über einem ( und vor allem : um einen herum)!

 

Inspiriert durch den Ideenreichtum von Ötti kam ich irgendwann auf die Idee, den Zapfen des Mammutbaums der Länge nach zu teilen und es bot sich ein wunderschönes Bild. Ötti teilte sie immer quer durch. Diese halben Zapfen verwende ich zu Dekorationszwecken, so zum Bespiel für Adventskränze. 2007 habe ich das in Bern beim Patentamt schützen lassen.

 

2014 habe auch ich mit Schnitzen begonnen. Ich wollte aber keine Masken schnitzen, weil das schon viele machen. Ich schnitzte eine Kuh und sie wurde nicht schlecht. So hatte ich etwa 32 Stück gemacht, alle mit Hörner. Eine Kollegin meinte mal, ich solle doch Ziegen schnitzen. Ja, auch das habe ich versucht und diese Ziege ist auch recht gut geraten. Es folgten Hunde. Bisher wurden es ca. 60 Stück. Inzwischen sind schon sehr viele Kühe, Kälbli, Ochsen, Eseli, Ziegen, Schweine, Schafe und gar ein Pferd entstanden.Ich biete diese Schnitzereien jeweils an verschiedenen Markten an: zweimal jährlich in Flums, im Mai und November und dann am 1. Adventswochenende in Sargans am Weihnachtsmarkt.

 

Im November 2014 brannte das Haus, das wir für Jahrzehnte gemeinsam in Flums bewohnt hatten. Danach wohnte ich kurze Zeit in einer Wohnung und schliesslich spielte ich seit etwa drei Jahren mit dem Gedanken nach Kanada zu ziehen. Nach dem Hausbrand fiel die Entscheidung leicht, mich in Kanada umzusehen. Seit Juli 2015 wohne ich in Kanada und immer im Frühling komme ich für einige Monate zurück in die Schweiz für die Grabpflege. Anfang Juni reise ich wieder zurück nach Kanada, wo ich die Sommermonate geniesse. Ab Ende September bin ich dann wieder für eine Weile in Flums, um die Gräber zu bepflanzen und an den Märkten teilzunehmen. In der Schweiz lebe ich ganz bescheiden in einem alten kleinen  28-jährigen Wohnmobil wo ich mich sehr wohl fühle.

 

Noch etwas zu Ötti: er hatte viele Hobbys. So hatte er ab der Zeit in Gossau bis zum Ende seines Lebens immer Hunde. Auf die Hochzeit hat es einen kleinen jungen Appenzeller Hund gegeben. Später, als die Tochter noch klein war hatten wir mal fünf junge Hunde. Das war eine sehr lustige Zeit.

 

Er liebte auch die Pferde und so hatte er auch die Zeitschrift Pegasus abonniert, die er auch regelmässig gelesen hatte. Auch war er viele Jahre Mitglied im Reitverein Gonzen. Im Militär war er beim Train der Pferde wegen. Nebenbei war er auch im Pistolenverein und bei den Militärschützen in Flums.

 

Ötti pflegte auch eine grosse Sammelleidenschaft. Rosenkränze, Münzen, Pfeiffen, alte Möbel und vieles mehr. So war das Blumengeschäft auch mit vielen Raritäten ausgestattet. Auch im Wohnhaus sah es wie in einem Museum aus. In all den Jahren sammelte sich so vieles an, sodass wir etliche Male vieles auf den Flohmärkten wieder verkauften.

 

Früher hatten es ihm auch die grossen Autos angetan. Ich lernte ihn kennen als er einen senfgelben Ford Grand Torino fuhr. Später wechselte er noch auf ein dunkelgrünes Oldsmobil. Bei der Hochzeit war es das Oldsmobil.

 

Ötti hatte auch sehr grosses Talent zum Malen. Aus seiner Schulzeit habe ich viele Zeichnungen gefunden und es waren damals schon viele Zeichnungen mit Blumen.

Die Fotos unten werden zu einem späteren Zeitpunkt noch sortiert und beschriftet. Auch die Geschichte wird nochmals überarbeitet und ergänzt.

 

Der farbige Trauerkranz mit Hut war 1995 für  der Kunstmaler Hans Krüsi

           Flumser Wappen

 

Geschichte von Blumen Stoop
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